Informationen aus unseren Bereichen während der Corona-Krise

 

Regens-Wagner-Werkstätten Dillingen

Die Auswirkungen der Schließung unserer Werkstätten - die Situation Mitte März:

Die augenscheinlichsten Auswirkungen hat diese „Sondersituation" natürlich für unsere Beschäftigten Menschen mit Behinderung. Viele können noch weniger verstehen, dass die sinn- und strukturgebende Arbeitswelt wegbricht und sie Zuhause sitzen sollen, obwohl sie doch arbeiten könnten. Die drohende Erkrankung schwebt wie ein Damoklesschwert über allen und erzeugt weitere Unsicherheit und Ungewissheit. Mitarbeiter, Beschäftigte, Kunden, Angehörige usw. wollen wissen wie es weitergeht – das Telefon steht nicht mehr still – und wir können keine klaren Aussagen machen, um Sicherheit zu vermitteln. Wir wissen nur, dass wir „bis auf weiteres" geschlossen haben. So eine vage Aussage sind die Menschen von einem zuverlässigen Dienstleister wie es die Regens-Wagner-Werkstätten sind, nicht gewohnt und reagieren merklich irritiert.

Beschäftigte, die selbständig wohnen brauchen gerade in diesen ungewissen Zeiten eine Anlaufstelle mit bekannten Personen zur Beruhigung und als Abfangen von Isolationsauswirkungen. Diese Aufgabe können die Werkstätten telefonisch oder per Mail übernehmen. Mitarbeitende aus den Werkstätten können ab diesem Zeitpunkt zur Unterstützung in anderen Bereichen von RW Dillingen eingesetzt werden. Bestehende Aufträge und Verträge sollen und müssen erfüllt werden, obwohl die Menschen mit Behinderung nicht mehr da sind. Dies wird durch die verbleibenden Mitarbeitenden geleistet. Dies kann natürlich nicht überall funktionieren; so kann z. B. eine 15-köpfige Landschaftspflege unmöglich von zwei Personen ersetzt werden. Und gerade jetzt haben viele Kunden mehr Zeit in ihrem Garten aktiv zu sein, die Gärtner aber keine Kapazitäten z. B. zum Vertikutieren.

Die meisten Kunden haben Verständnis für die besondere Situation oder haben selber Schwierigkeiten uns das zugesagte Material für die Fertigstellung von z. B. Verpackungs- und Montageaufträgen bereit zu stellen. Aber es gibt auch schon verzweifelte Auftragskunden, die eine Auslieferung ihres Produktes nur gewährleisten können, wenn wir auch diesen Arbeitsschritt noch zusätzlich übernehmen. Da eine intensive und positive Kundenbindung Voraussetzung auch für zukünftiges gemeinsames Produzieren ist, versuchen wir natürlich unseren Beitrag dazu leisten zu können. Häufig kommt auch die Unsicherheit von Unternehmen bei uns an, die nicht wissen, ob und wie sie diese wirtschaftliche Situation überstehen können, dass sie niemals an Kurzarbeit in ihren Bereichen gedacht haben. Der Wegfall bisher zuverlässiger Auftraggeber könnte noch ungeahnte Auswirkungen auf das Überleben der Werkstätten haben. In den Werkstätten gibt es ebenfalls „systemrelevante" Bereiche, wie z. B. die Wäscherei, die jetzt ohne die erfahrenen Wäschereibeschäftigten mit Behinderung ein größeres Wäscheaufkommen bewältigen muss, weil die Wohngruppen von Regens Wagner die nächsten Wochen ganztags belegt und betreut werden.

Viele rechtliche Fragen zur Finanzierung der Werkstätten in dieser ungewöhnlichen Zeit sind noch ungeklärt. So ist die Finanzierung für den laufenden Aufwand und den Mehraufwand durch die besondere Situation noch vollkommen offen. Insgesamt ist eine enorme Solidarität und den Mitarbeitenden von Regens Wagner Dillingen wahrnehmbar die aktuelle Herausforderung gemeinsam und für die Menschen mit Behinderung in den verschiedenen Bereichen, Abteilungen, Gruppen usw. zu schaffen und trotz allem allen eine bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.

Die Situation Mitte Mai:

In unseren Werkstätten gilt zwar weiterhin ein allgemeines Betretungsverbot, aber seit 06.05. werden über die „Notbetreuung" immer mehr Beschäftigte betreut, die Zuhause (extern) wohnen und bestimmte Kriterien erfüllen. Dies gilt ebenfalls für die Außenarbeitsplätze, sofern die Beschäftigte extern wohnen. Da sich immer mehr andere Bereiche öffnen, übernehmen noch mehr Mitarbeitende aus den Werkstätten Aufgaben in den Wohnbereichen von Regens Wagner Dillingen. Es werden Konzepte für die Hygiene und die Wiederbeginn erstellt, mit den Fachkräften der Einrichtung abgesprochen und nach Genehmigung umgesetzt.

Mit der aktualisierten Allgemeinverfügung öffnen sich die Werkstätten ab 18.05. für Beschäftigte, die Zuhause oder im Ambulant betreuten Wohnen leben. Das Betretungsverbot wurde für diese Personengruppe aufgehoben. Nun müssen regelmäßig Krankheitssymptome überprüft und mögliche Grunderkrankungen ärztlich attestiert werden.

Aufgrund der sehr vagen Aussagen in den gesetzlichen Vorgaben, können für die Bewohner in den stationären Einrichtungen in Glött, Dillingen und Lauingen nur sehr unkonkrete Planungen in die Wege geleitet werden. Aufgrund der Anrufe von Bewohnern und Betreuern wissen wir, dass es eine sehr starken Wunsch nach Arbeitsmöglichkeiten gibt. Neben den seit Beginn des Betretungsverbotes zur Beschäftigung in die Wohngruppen gelieferten Arbeitsaufträge, bemüht man sich irgendwie einen Wiedereinstieg für kleine Einheiten im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu realisieren.

Währenddessen laufen die Aufträge der wichtigen Stammkunden permanent weiter, damit wir unsere Verpflichtungen einhalten, den Auftraggeber in der Lieferkette sichern und uns als zuverlässig für die Zukunft darstellen. Die große Herausforderung in dieser Phase ist die Qualität und die Liefertermine zu halten, obwohl Mehrarbeitszeiten abgebaut, Urlaube genommen, mehr und mehr Mitarbeitende die Wohnbereiche unterstützen, Arbeitseinheiten zur Minimierung der Ansteckungsmöglichkeiten stabil gehalten werden, Beschäftigte mit unbekannten Arbeiten in unbekannter Umgebung und „fremden" Bezugsbetreuern integriert und Abläufe ständig neu erfunden werden müssen. 

Text: Uwe Runnwerth

Bild: Die Türen stehen für Wenige wieder offen.