Informationen aus unseren Bereichen während der Corona-Krise

 

Regens-Wagner-Werkstätten Dillingen
 

Kühler Kopf im heißen Corona-Herbst 

Ende Oktober sind fast alle Beschäftigten wieder in den Werkstätten. Gerade einmal zwei Beschäftigte nehmen vom Besuch aufgrund einer schweren Vorerkrankung und einem damit zu befürchtenden schweren Krankheitsverlauf im Falle einer Infektion, Abstand. 

Alle anderen sind in ihren ursprünglichen Arbeitsgruppen und ohne zeitliche Einschränkungen eingesetzt. Es gilt immer noch das aktuelle Hygienekonzept mit den Schwerpunkten „AHA-L“ (Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske tragen – regelmäßiges Lüften). Außerdem wurden die Abläufe auf dem Gelände und in den Gebäuden so reguliert, dass immer noch wenige Begegnungen stattfinden. 

Was die Werkstattbeschäftigten und Mitarbeitenden aktuell sehr beschäftigt ist die Unsicherheit und die Ängste, die sie in den Medien und in Gesprächen mit in die Arbeit bringen. Bei der Frage „Haben wir Morgen noch offen?“ geht es nur nebenbei um eine reine Information. Die Häufigkeit und Intensität mit der die Frage vorgetragen wird, zeigt uns, dass große Ängste vor einer Schließung mitschwingen. Aufgrund der sich ständig ändernden Situation um Fallzahlen und daraus resultierenden politischen Maßnahmen auf den verschiedensten Ebenen können wir leider keine wirklich beruhigenden Aussagen treffen. Unser Part ist wohl jetzt Zuversicht auszustrahlen ohne dass wir wirklich wissen, ob die nächste Regulierung wohl auch die Werkstätten betreffen könnten. Das mittlerweile immer häufiger eingesetzte Mittel der Quarantäne dezimiert die Mitarbeiterschaft immer wieder. Bis zum heutigen Tag hatten wir keinen einzigen Corona-Fall in den Regens-Wagner-Werkstätten in Dillingen und Gundelfingen.

 

Ein Corona-September 

Nach einem dringend herbei gesehnten Betriebsurlaub sind alle Mitarbeitenden und Beschäftigten der Werkstätten wieder gesund angekommen. Dies war nicht so selbstverständlich wie es sich anhört, da allerorten die Infektionszahlen nach oben schossen. Der Gesundheitszustand wurde durch Corona-Tests bei einzelnen Personen aus den verschiedensten Gründen durchgeführt was zu vermehrten Abwesenheiten durch Quarantäne führte und die eh schon schwierige personelle Situation zusätzlich belastete. Während die neue Allgemeinverfügung keine neuen Auflagen mit sich brachte, wurde eine Strategie zum geregelten Ausstieg aus der Sondersituation hin zu einer kontrollierten Normalität geplant. Hierfür waren einige Gespräche mit den Wohneinrichtungen, Angehörigen und Hygienebeauftragten notwendig. Letztendlich wurde jedoch deutlich, dass das aktuelle Infektionsgeschehen die mittlerweile hohe Belastung der Beschäftigten nicht mehr gerechtfertigt erschien. Durch das bisherige Konzept „Wohngruppe = Arbeitsgruppe“ waren die Betreuten zum Teil seit Monaten nur noch miteinander beschäftigt und trafen auch keine Personen außerhalb dieses Systems. Es war also Zeit eine angemessene „Auf-Lösung“ des bisherigen Zustandes anzustreben. 

Nach ersten Zusammenlegungen von Beschäftigten unterschiedlicher Wohngruppen in Arbeitsgruppen, wurden andere „Kohorten“ mit sehr viel Fingerspitzengefühl ihren Bedürfnissen entsprechend in schon bestehende Arbeitsgruppen verteilt. Mit diesem Schritt war eine erneute Überarbeitung unseres Schutzkonzeptes notwendig geworden. Auch laufen die Planungen für die Rückführung in die ursprünglichen Arbeitsgruppen auf Hochtouren. Neben der Vorgabe „Zurück in den ursprünglichen Zustand“ haben sich mittlerweile neue Erkenntnisse ergeben, die sowohl die Erfahrungen der Beschäftigten als auch der Mitarbeiter betrifft. Wir versuchen also die Situation für eine Weiterentwicklung zu nutzen und die positiven Erkenntnisse aus der bisherigen Corona-Zeit in unsere Planungen mit einfließen zu lassen.

 

Die Situation Mitte Juli: 

Mittlerweile ist das Betretungsverbot aufgehoben und wir können bis auf ca. 10 % der Beschäftigten eine regelmäßige Beschäftigung anbieten. Aufgrund der hohen Schutzstandards kann dies derzeit nur in „festen Arbeitsgruppen“ stattfinden. Dies bedeutet bei uns, dass wir auf der einen Seite die Zuhause wohnenden Beschäftigten möglichst in der gleichen Zusammensetzung innerhalb der Gruppen belassen. Auf der anderen Seite wird das Prinzip „Wohngruppe = Arbeitsgruppe“ durch technische und organisatorische Mittel erweitert, sodass Personen, die sich in der Freizeit regelmäßig besuchen – unter den Vorgaben des WfbM-Hygiene-Konzeptes – auch in weitläufigen Arbeitsbereichen zusammen arbeiten. Entsprechend der monatlich neu vorgegebenen Allgemeinverfügungen und einsetzenden Lockerungen und innerhalb des jeweils aktuellen Hygiene- und Schutzkonzeptes müssen sich immer wieder Lösungen für die anstehenden Aufträge und für die sich häufiger und intensiver verändernden psychischen Bedürfnisse unserer Beschäftigten finden lassen. 

Der Bereich der Produktion 

Auch wenn die wenigen Hände von Mitarbeitenden und Beschäftigten erstaunliches geleistet haben, konnte ein Rückgang der produktiven Umsatzzahlen um 25 % im Vergleich zum Vorjahr nicht verhindert werden. Dies war natürlich auch der veränderten wirtschaftlichen Gesamtlage geschuldet, in der zum Beispiel geschlossene Gaststätten keine Tischdecken mehr waschen ließen oder wir aus Gründen der Sicherheit keine Aktenbehälter mit abgeholt haben oder die Kunst- und Kulturkneipe gänzlich geschlossen bleiben musste… Zudem kamen keine für die Produktion benötigten Rohstoffe mehr an – diese konnten dann trotz vorhandener Aufträge nicht von den Werkstätten weiterverarbeitet werden.

 

Die Situation Mitte Mai:

In unseren Werkstätten gilt zwar weiterhin ein allgemeines Betretungsverbot, aber seit 06.05. werden über die „Notbetreuung" immer mehr Beschäftigte betreut, die Zuhause (extern) wohnen und bestimmte Kriterien erfüllen. Dies gilt ebenfalls für die Außenarbeitsplätze, sofern die Beschäftigte extern wohnen. Da sich immer mehr andere Bereiche öffnen, übernehmen noch mehr Mitarbeitende aus den Werkstätten Aufgaben in den Wohnbereichen von Regens Wagner Dillingen. Es werden Konzepte für die Hygiene und die Wiederbeginn erstellt, mit den Fachkräften der Einrichtung abgesprochen und nach Genehmigung umgesetzt.

Mit der aktualisierten Allgemeinverfügung öffnen sich die Werkstätten ab 18.05. für Beschäftigte, die Zuhause oder im Ambulant betreuten Wohnen leben. Das Betretungsverbot wurde für diese Personengruppe aufgehoben. Nun müssen regelmäßig Krankheitssymptome überprüft und mögliche Grunderkrankungen ärztlich attestiert werden.

Aufgrund der sehr vagen Aussagen in den gesetzlichen Vorgaben, können für die Bewohner in den stationären Einrichtungen in Glött, Dillingen und Lauingen nur sehr unkonkrete Planungen in die Wege geleitet werden. Aufgrund der Anrufe von Bewohnern und Betreuern wissen wir, dass es eine sehr starken Wunsch nach Arbeitsmöglichkeiten gibt. Neben den seit Beginn des Betretungsverbotes zur Beschäftigung in die Wohngruppen gelieferten Arbeitsaufträge, bemüht man sich irgendwie einen Wiedereinstieg für kleine Einheiten im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu realisieren.

Währenddessen laufen die Aufträge der wichtigen Stammkunden permanent weiter, damit wir unsere Verpflichtungen einhalten, den Auftraggeber in der Lieferkette sichern und uns als zuverlässig für die Zukunft darstellen. Die große Herausforderung in dieser Phase ist die Qualität und die Liefertermine zu halten, obwohl Mehrarbeitszeiten abgebaut, Urlaube genommen, mehr und mehr Mitarbeitende die Wohnbereiche unterstützen, Arbeitseinheiten zur Minimierung der Ansteckungsmöglichkeiten stabil gehalten werden, Beschäftigte mit unbekannten Arbeiten in unbekannter Umgebung und „fremden" Bezugsbetreuern integriert und Abläufe ständig neu erfunden werden müssen.

 

Die Auswirkungen der Schließung unserer Werkstätten - die Situation Mitte März:

Die augenscheinlichsten Auswirkungen hat diese „Sondersituation" natürlich für unsere Beschäftigten Menschen mit Behinderung. Viele können noch weniger verstehen, dass die sinn- und strukturgebende Arbeitswelt wegbricht und sie Zuhause sitzen sollen, obwohl sie doch arbeiten könnten. Die drohende Erkrankung schwebt wie ein Damoklesschwert über allen und erzeugt weitere Unsicherheit und Ungewissheit. Mitarbeiter, Beschäftigte, Kunden, Angehörige usw. wollen wissen wie es weitergeht – das Telefon steht nicht mehr still – und wir können keine klaren Aussagen machen, um Sicherheit zu vermitteln. Wir wissen nur, dass wir „bis auf weiteres" geschlossen haben. So eine vage Aussage sind die Menschen von einem zuverlässigen Dienstleister wie es die Regens-Wagner-Werkstätten sind, nicht gewohnt und reagieren merklich irritiert.

Beschäftigte, die selbständig wohnen brauchen gerade in diesen ungewissen Zeiten eine Anlaufstelle mit bekannten Personen zur Beruhigung und als Abfangen von Isolationsauswirkungen. Diese Aufgabe können die Werkstätten telefonisch oder per Mail übernehmen. Mitarbeitende aus den Werkstätten können ab diesem Zeitpunkt zur Unterstützung in anderen Bereichen von RW Dillingen eingesetzt werden. Bestehende Aufträge und Verträge sollen und müssen erfüllt werden, obwohl die Menschen mit Behinderung nicht mehr da sind. Dies wird durch die verbleibenden Mitarbeitenden geleistet. Dies kann natürlich nicht überall funktionieren; so kann z. B. eine 15-köpfige Landschaftspflege unmöglich von zwei Personen ersetzt werden. Und gerade jetzt haben viele Kunden mehr Zeit in ihrem Garten aktiv zu sein, die Gärtner aber keine Kapazitäten z. B. zum Vertikutieren.

Die meisten Kunden haben Verständnis für die besondere Situation oder haben selber Schwierigkeiten uns das zugesagte Material für die Fertigstellung von z. B. Verpackungs- und Montageaufträgen bereit zu stellen. Aber es gibt auch schon verzweifelte Auftragskunden, die eine Auslieferung ihres Produktes nur gewährleisten können, wenn wir auch diesen Arbeitsschritt noch zusätzlich übernehmen. Da eine intensive und positive Kundenbindung Voraussetzung auch für zukünftiges gemeinsames Produzieren ist, versuchen wir natürlich unseren Beitrag dazu leisten zu können. Häufig kommt auch die Unsicherheit von Unternehmen bei uns an, die nicht wissen, ob und wie sie diese wirtschaftliche Situation überstehen können, dass sie niemals an Kurzarbeit in ihren Bereichen gedacht haben. Der Wegfall bisher zuverlässiger Auftraggeber könnte noch ungeahnte Auswirkungen auf das Überleben der Werkstätten haben. In den Werkstätten gibt es ebenfalls „systemrelevante" Bereiche, wie z. B. die Wäscherei, die jetzt ohne die erfahrenen Wäschereibeschäftigten mit Behinderung ein größeres Wäscheaufkommen bewältigen muss, weil die Wohngruppen von Regens Wagner die nächsten Wochen ganztags belegt und betreut werden.

Viele rechtliche Fragen zur Finanzierung der Werkstätten in dieser ungewöhnlichen Zeit sind noch ungeklärt. So ist die Finanzierung für den laufenden Aufwand und den Mehraufwand durch die besondere Situation noch vollkommen offen. Insgesamt ist eine enorme Solidarität und den Mitarbeitenden von Regens Wagner Dillingen wahrnehmbar die aktuelle Herausforderung gemeinsam und für die Menschen mit Behinderung in den verschiedenen Bereichen, Abteilungen, Gruppen usw. zu schaffen und trotz allem allen eine bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.

Text: Uwe Runnwerth

 

Die Situation in anderen Bereichen während des ersten Lockdown seit März 2020

Offene Hilfen

Während des Corona-Lockdowns waren nicht alle Angebote unserer Offenen Hilfen im vollen Umfang möglich. Viele Mitarbeiter der Schulbegleitung waren in Kurzarbeit, da die Schulen und Kindertagesstätten nur eingeschränkt geöffnet waren. Zum 20.05. wurde die Kurzarbeit für alle beendet. Schulbegleiter arbeiten jetzt entweder wieder in der Schule oder bei den Kindern zu Hause . Ergänzend werden sie in Wohngruppen eingesetzt, wenn die Stunden nicht reichen. In vielen Klassen findet nur 14-tägig Unterricht statt.

Der familienunterstützende Dienst wird nur eingeschränkt nachgefragt, weil viele Familien derzeit niemanden von außerhalb in ihrem Haushalt haben möchten. Die aktuellen Anfragen können alle bedient werden.

Die autismusspezifische Förderung findet im Rahmen der Einzelförderung für ältere Kinder oder Jugendliche statt.

Die Pfingstfreizeit fand vom 2. bis 5. Mai statt. Die Gruppe fuhr nach Dachau. Die Jugendherberge öffnete extra für uns.

Der ambulante Pflegedienst arbeitet eingeschränkt, weil viele Patienten zur Risikogruppe gehören und aus dem Grund nach Möglichkeit von der Familie versorgt werden.

Die Beratung läuft überwiegend telefonisch. Allerdings sind in besonderen Fällen auch Beratungen im Büro und Hausbesuche unter Einsatz von Schutzmasken und Einhalten der Abstandsregeln notwendig.

Die Angebote des ambulant betreuten Wohnens laufen weiter. Hier wurde das Angebot intensiviert, da den begleiteten Personen die Tagesstruktur weggebrochen ist. Wir bieten für diese Zielgruppe zwei Kochgruppen in den Räumen der Offenen Hilfen an. Diese finden an fünf Tagen in der Woche statt. In jeder Gruppe sind maximal drei Teilnehmer. Gekocht wird natürlich unter Einhaltung aller Hygienevorschriften, unter Einsatz von Mund-Nasenschutz-Masken für alle und mit den nötigen Sicherheitsabständen.

Bilder: Kochen im Gruppenraum der Offenen Hilfen.  

 

Regens-Wagner-Schule

Seit dem 16. März waren in Bayern alle Schulen geschlossen. Aufgrund der Corona-Krise fand kein Schulbetrieb statt.

Angeboten wird eine Notfallbetreuung in Schule und teilweise auch in der Tagesstätte für Kinder, deren Eltern in sytemrelevanten Berufen arbeiten. Zur Zeit der kompletten Schulschließung waren es ca. 10 Kinder, die betreut wurden.

Die Pflegekräfte und Schulbegleitungen waren in dieser Zeit auf den Wohngruppen unserer Einrichtung verteilt, weil dort der Bedarf an Mitarbeitern verständlicherweise gestiegen ist. Die Kinder und Jugendlichen waren nicht in der Schule und die erwerbstätigen Erwachsenen können zur Zeit nicht die Werkstätten besuchen. Also sind diese Wohngruppen rund um die Ihr besetzt. 

Die Lehrkräfte haben auf Homeschooling umgestellt. Sie begleiten die Familien in dieser Zeit und versorgen die Schüler mit Unterrichtsmaterialien. Das bedeutet sowohl für die Schüler mit ihren Eltern und auch die Lehrer viel Arbeit und Mehraufwand. Zum Einsatz kommen auch digitale Medien und erste Versuche mit Videokonferenzen sind erfolgreich gestartet. Natürlich müssen dazu auch in den Familien die technischen Voraussetzungen zur Verfügung stehen.  

Bild: Noch sind viele Klassenzimmer leer.

Bild: An der Tafel sind die wichtigsten Hygieneregeln.

Seit dem 11. Mai startete wieder der Unterricht für die Berufsschulstufe. Infektionsschutz wird dabei ganz groß geschrieben. Abstand halten im Klassenzimmer und auf den Gängen und wo nötig den Mund-Nase-Schutz tragen sind in der Schule wie im öffentlichen Leben gerade wichtige Gebote für alle. Schüler und Mitarbeiter nehmen das extra erstellte Hygienekonzept für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs sehr ernst, um sich und andere zu schützen. Das Konzept kann auf der Homepage der Schule eingesehen werden. Natürlich sind auch weniger Schüler in einem Raum: Aus 4 Klassen wurden zum Beispiel 6 Gruppen gebildet. 

Schrittweise wird der Unterricht für die anderen Klassen wieder aufgenommen. Bei weiteren Ausweitungen des Schulbetriebs wird allerdings in kleineren Schülergruppen und im 14-tägigen Wechsel unterrichtet. Das wird dann bis zum Schuljahresende so durchgeführt.

Wann der Unterricht wieder wie vor der Corona-Pandemie statt finden wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand vorhersagen. Diese Frage und hängt entscheidend von der Entwicklung der Infektionszahlen in Deutschland und Bayern ab.

Bild: Hier hat der Unterricht wieder begonnen.

 

Therapiezentrum

Die Praxis für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie ist für unsere Patienten wieder in allen Bereichen zu den üblichen Zeiten geöffnet.

Die Hygienevorschriften werden eingehalten. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist sowohl für Patienten, wie Therapeutinnen Pflicht!